© Tribut Verlag 2005-2011
Inhalt
Auszug
Inhaltsverzeichnis
Ein Anfängerbuch über Steuern
Nicht nur für Jugendliche
2. Auflage
Auszug
§§ „Geld stinkt nicht“ §§
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| „Geld stinkt nicht“ oder auf Lateinisch „Pecunia non olet“ soll der römische Kaiser Titus Flavius Vespasianus zu seinem Sohn gesagt und ihm das Geld unter die Nase gehalten haben, nachdem dieser ihm wegen der Einführung einer besonderen Steuer Vorwürfe gemacht hatte. Vespasianus, der in der Zeit von 69 bis 79 nach Christus regierte, ließ nämlich zur Finanzierung eines Krieges öffentliche Toiletten besteuern. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Wer in Geschichtsbüchern stöbert, stellt fest, dass nicht erst während der Zeit des Römischen Reiches, sondern schon Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende zuvor Steuern erhoben wurden. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ob im alten Ägypten, in Persien oder in Griechenland, offenbar überall und zu allen Zeiten wurden den Bewohnern von ihrer Obrigkeit Steuern abverlangt, indem sie Silber, Gold, Getreide oder Vieh und später auch Geld abliefern mussten. Hauptsächlich dienten diese Abgaben der Finanzierung von kriegerischen Auseinandersetzungen, im Laufe der Zeit auch der Bezahlung eines Beamtentums und dem Aufbau eines Gemeinwesens. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Steuern sind also keine neuzeitliche, schon gar nicht eine deutsche Erfindung! | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Bei der Frage, was denn alles besteuert werden kann, war der Staat von jeher und in allen Ländern höchst erfinderisch. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ebenso seltsam wie die Steuer bei Bedürfnisanstalten mutet etwa die Bartsteuer an, die der Zar Peter der Große 1698 all jenen Männern auferlegte, die weiterhin ihren Bart tragen wollten. Eine Spatzensteuer mussten diejenigen bezahlen, die wegen einer angeblichen Spatzenplage nicht mindestens zwölf dieser Vögel fangen und abgeben konnten. Galgensteuer, Taubenschlagsteuer oder Ziegensteuer klingen genauso kurios und dienten nur einem Zweck: Geld für den Staat, der nie satt zu werden scheint. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Was reimt sich auf Steuer?
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| Steuern sind tatsächlich eine teure Angelegenheit, die uns im täglichen Leben und Sprachgebrauch auf vielfältige Weise begegnen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ob wir an eine Tankstelle fahren und an der Zapfsäule das Wort „Mineralölsteuer” entdecken, in der Zeitung von einer Erhöhung der „Tabaksteuer” lesen oder die Eltern am Monatsende laut klagen, wenn sie aufgrund ihrer Gehaltsabrechnung über zu viel „Lohn-steuer” sprechen - in all diesen Fällen ist von einer Steuer die Rede. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Und was es alles in Deutschland heutzutage für Steuerarten gibt: | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Anmerkung zur Rechtschreibung: Die Steuerarten sind in diesem Buch in behördlichem Deutsch und damit ohne das verbindende „s“ geschrieben, also nicht „Erbschaftssteuer“, sondern „Erbschaftsteuer“. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Die Aufzählung ist beileibe nicht vollständig und ließe sich leider immer noch fortsetzen. Vor ein paar Jahren hat mir ein Fotohändler am Bodensee sogar davon berichtet, dass er für eine Markise vor seinem Schaufenster eine „Luftraumsteuer” bezahlen musste. Auch das Ausland ist recht einfallsreich. So hat beispielsweise Kroatien im Sommer 2009 eine SMS-Steuer neu eingeführt. Jede innerhalb Kroatiens abgeschickte SMS kostet von nun an zusätzlich zu den regulären Gebühren 6% Steuer. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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§§§ Definition des Wortes Steuer
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| Was ist denn nun eigentlich eine Steuer? Dies wollen wir als Erstes untersuchen. Deutschland ist bekannt dafür, dass alles oder fast alles geregelt ist. Natürlich ist auch das Wort „Steuer” genau definiert und zwar in der sog. Abgabenordnung. Die Abgabenordnung ist so eine Art Grundgesetz der Steuern. Dort heißt es in § 3: „Steuern sind Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine besondere Leistung darstellen und von einem öffentlich - rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht knüpft.” | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Alles klar? Wohl kaum. Aber so kompliziert lauten Gesetze - nicht nur solche für Steuern - in unserem Land häufig. Wir wollen versuchen, dies im Folgenden verständlicher auszudrücken. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
1. Steuern sind Geld. |
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| 2. Der Staat, also Deutschland, oder beispielsweise die Stadt, in der wir wohnen, will dieses Geld von uns. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 3. Wir können dafür noch nicht einmal etwas Konkretes verlangen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 4. Steuern zahlt nicht jeder automatisch. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wenn wir in einem Laden 300 € an der Kasse bezahlen, dann bekommen wir dafür beispielsweise ein Fahrrad. Wenn wir 300 € Steuern an den Staat oder unsere Stadt bezahlen müssen, dann erhalten wir zunächst einmal dafür nichts, das uns anschließend gehört. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der Staat oder die Stadt, manchmal auch das Bundesland, in dem wir wohnen, verlangt also Geld von uns. Ob wir dafür vielleicht doch etwas - etwa auf indirektem Weg - bekommen, erfahren wir an anderer Stelle in diesem Buch. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Es zahlt z.B. nur derjenige Steuern, der arbeitet, Auto fährt, Le-bensmittel kauft, Zigaretten raucht, beschenkt wird, auf dem Sparbuch Zinsen gutgeschrieben erhält usw. Es müssen also, wie man in Juris-tendeutsch sagt, „gewisse Tatbestände erfüllt sein”. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Steuern bezahlen wir Bürger, die Unternehmen, selbst die Behörden. Steuern werden nicht freiwillig gezahlt, sondern dies ist eine Pflicht, die strengen Regeln unterliegt. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Völlig anders verhält es sich mit Geldern, die wir ebenfalls an den Staat, das Bundesland oder die Gemeinde bezahlen, bei denen wir aber konkret etwas dafür bekommen; eine so genannte Gegenleis-tung. Man nennt diese Zahlungen entweder Gebühren oder Beiträge. Bekannt sind zum Beispiel: Kanalbenutzungsgebühren, Gebühren für die Ausstellung eines Personalausweises oder Führerscheins, Straßenanliegerbeiträge oder die Kurtaxe an Urlaubsorten. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Wir versuchen am Beispiel der Lohnsteuer und der Einkommensteuer dem nicht ganz einfachen und manchmal auch etwas trockenen Thema „Steuern“ zu Leibe zu rücken, um es einigermaßen zu verstehen. Dabei bewegen wir uns zunächst ausschließlich im Dschungel des Einkommensteuergesetzes, EStG abgekürzt. Das Einkommen-steuergesetz ist sicherlich das umfangreichste, bekannteste und auch vom Steueraufkommen her eines der wichtigsten aller Steuergesetze. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||